Rasend schnell, hart und ungemein unterhaltsam - das ist Rec, eine Horrorperle, die ohne großen Inhalt auskommt.
Im Grunde ist dieser Film ein Lehrstück des Horrorfilms, eine Essenz aus dem, was einen blutigen Film spannend macht. Und trotz des inhaltlichen Kurzschlusses ist dieser Film keineswegs ein cineastischer Kurzschuss, der das andere Ufer nicht erreicht und in der Gülle zahlloser und liebloser Horrormärs untergeht.
In nur wenigen Minuten schafft es Rec dem Zuschauer die wichtigsten Figuren vorzustellen - und zwar so, dass man sie sympathisch findet, sich mit ihnen identifizieren und mit ihnen leiden kann. Es ist absolut unnötig, irgendwelche Vorgeschichten zu konstruieren, um der Reporterin, ihrem Kameramann (den man noch nicht mal zu Gesicht bekommt) und den netten Feuerwehrmännern in ein Haus zu folgen, in dem es einen Notruf gegeben haben soll. Zugegeben, die Kleine mit dem Mikro wirkt schon ein wenig übermotiviert, aber hallo: Eine Reporterin, die Land und Leute einer spanischen Stadt in der Nacht vorstellt hat es nun auch nicht ganz einfach. Denn wie die Feuerwehrmänner erklären, meist müssen sie Katzen retten oder ähnliche Heldentaten vollführen.
In dem angesprochenen Haus wohnen ganz normale Leute, alle ein wenig verrückt. Das kennen wir doch fast alle. Die Bewohner sind für den Zuschauer in ihrer Rolle klar erkennbar, man kann sie einordnen, aber ihnen haftet nicht der stereotype Nachgeschmack an, wie vielen anderen Figuren in solchen Filmen. Auch wenn das spanische Temperament hier und da bei mir für Verwirrung sorgt, so wirken die Figuren dennoch nie stilistisch überzogen - ich gewinne eher den Eindruck: So sind sie nunmal, die Spanier. Der Film transportiert also über die Figuren eine enorme Glaubwürdigkeit.
Viel passiert in Rec nicht: Trepp rauf, Trepp runter, ein paar Interviews mit den verärgerten Bewohnern und der Konflikt mit den Behörden, die das Haus hermetisch abriegeln und die darin befindlichen Personen darüber im Dunkeln lassen.
Aber schön früh nimmt der Film ungemein Fahrt auf: Spätestens dann, wenn eine Oma im Nachthemd völlig durchdreht und einen ihrer vermeintlichen Retter anfällt. Der Beginn eines blutigen Trips, der angefüllt ist mit spannenden Momenten, die sogar dann noch funktionieren, wenn man den Film schon mehrmals gesehen hat. Wohl dosiert werden über den Sound Schockeffekte eingespielt, nie zum Selbstzweck wird es blutig. Alleine die Art, wie der eine Feuerwehrmann aus einem oberen Stockwerk in die Tiefe fällt (man hört ihn fallen, bevor man ihn sieht) und der lautstarke Aufprall im Erdgeschoss sind meisterhaft inszeniert.
Vor allem die Effekte, der Schnitt sowie der Sound und die schnörkellose Inszenierung machen den Film so wunderbar kurzweilig. Wahrscheinlich hätte dies auch ohne die Wackelkamera funktioniert, denn eines macht sich der Film zunutze: Es wird immer enger und immer dunkler in den Räumen, die die Menschen auf der Flucht vor der Epidemie, die in dem Haus grassiert, aufsuchen. Stockwerk für Stockwerk wird von den Zombies erobert, kann immer nur kurz aufgesucht werden, ohne ein Versteck oder gar eine Fluchtmöglichkeit zu bieten. Dies trägt auch zu der sehr dichten Atmosphäre des Films bei. Der Zuschauer weiß: Die Personen kommen aus dem Haus nicht raus, sie müssen überleben, ohne genau zu wissen, was sie bekämpfen müssen. Nur das Dachgeschoss scheint ein letzter Ort zu sein, der Rettung verspricht - und genau da sitzt der Ursprung des Übels und das Ende des Films.
Es gibt nur wenige Filme, die es schaffen, mit einem inhaltlich dünnen Drehbuch so gut zu funktionieren wie Rec. Aber dieser Film ist formal so perfekt inszeniert (bis auf die doch etwas anstrengende Handkamera) und bietet so einfache aber nie langweilige Figuren, dass er einen ungemeinen Drive aufnimmt und den Zuschauer auch nicht mehr loslässt.
Fazit: Innovatives bietet der Film nicht, er versucht auch nicht mithilfe des Gores Grenzen zu durchbrechen, um auf sich aufmerksam zu machen. Rec ist einfach ein perfekt umgesetzter Horrorthriller, der demonstriert, dass es nicht viel braucht, um eine Geschichte packend zu erzählen. Rec ist kein Großer in der Filmgeschichte, aber einer, der es faustdick hinter den Ohren hat. 9/10